Über Lichtgestalten I

Es kommt natürlich öfter vor, das ich “angelabert” werde… hab ich auch Verständnis für!

Da steht ein Typ mit ner relativ dicken DSLR in der Hand in der Disco in der Ecke und schaut nur.

Man fragt sich:

  • Macht der auch was? (Ja!)
  • Wartet der auf jemanden? (Ja- auf ein Motiv!)
  • Führt er nur mal seine Kamera Gassi? (Nö!)
  • Braucht er Aufmerksamkeit? (Nicht mehr als sonst auch!)
  • Sucht er Anschluss? (Momentan grad nit- aber charmante Damen können gerne ihre Nummer/Email hinterlassen wenn sie möchten…)

Nun treffe ich bei solchen Gelegenheiten immerwieder auf dieselben Typen und führe dieselben Gespräche.

Früher war es manchmal die Aufforderung “Guck doch nit so bös’!”

Tat ich garnicht- das war einfach mein “neutraler” Gesichtsausdruck. Kam allerdings- seit ich den Bart habe- eigentlich nicht mehr vor…
Süß finde ich immerwieder solche fragen wie “Machen sie Foddoooos?” – ich antworte dann meistens “Was hat mich jetzt verraten?”

Die frage wird meistens von jungen Damen, knapp Ü18 gestellt.

Wo es anfängt nervig zu werden, sind Situationen wie diese:

Ich schlendere auf der suche nach Motiven durch eine Location als ich angelabert werde “BOAH! HAST DU NE FETTE KAMERA!”
“Stoppt die Party! Alles bleibt auf seinen Plätzen! Ruft die Polizei, Feuerwehr, Rettungskräfte, THW, Ärzte, Sanitäter, Bundeswehr – alles was laufen kann! Macht die Grenzen dicht! Keiner verlässt Bayern, Deutschland, Europa- diesen Planeten! ICH HABE HIER DEN NÄCHSTEN NOBELPREISTRÄGER! EINSTEIN WAR EIN NICHTSKÖNNER NEBEN DIESER KORYPHÄE!!!

Hammer! Diese Weisheit! Danke! Danke oh großer Genius, das du mich mit diesen Worten erleuchtet hast!
ICH WEISS, DAS DIE KAMERA FETT IST! SIE HÄNGT AN MEINEM ARM, ICH WEISS WAS SIE WIEGT UND ICH HABE SIE BEZAHLT!

Ich meine, wenn die Leute fotografiert werden wollen, reicht es mir eigentlich wenn sie mich fragen!

Aber sie müssen nicht auch noch darum betteln, das ich ihnen “unfreundlichkeiten” (um mal diplomatisch zu bleiben) entgegenbringe!

Der “Klassiker”- oder besser DIE Klassiker sind allerdings solche “Knips-aufforderungen”:

  • SCHÄFF! SCHÄFF! DOOOOO! FODDOOOOOO!
  • FODDOOOO!
  • HIIIEEÄÄÄÄ! FODDOOOOO!
  • MACHEMO’ÄFODDO! (Danke an Ralf an dieser Stelle- diese charmante Bitte hätte ich sonst vergessen…)
  • Eifriges Winken aus der tanzenden Menge heraus wird auch immerwieder gerne gemacht – und sowas macht auch Spaß, zu fotografieren.

Meistens- nicht immer- werden solche “charmante Aufforderungen” von Grüppchen von 2-10 jüngeren oder jungen Männern vorgetragen, die dem genuss von… äähm… “rauscherzeugenden Substanzen” (ich sage garnicht das die angetrunken oder besoffen waren!) vorher nicht abhold waren.

Ein weiterer Klassiker: “Mensch”- ob ein “Er” oder eine “Sie” ist dabei nebensächlich- “wankt” vor meine Kamera…
“Äääääyyymachemoläfoddo” (= kaum zu verstehen, aufgrund partieller Zungenlähmung)

Natürlich mache ich das Foto! Warum? Besoffene sind meistens schon zufrieden, wenn sie den Blitz gesehen haben. In der regel wollen sie dann nichtmal mehr das Bild sehen, sondern ziehen von dannen und ich kann- ohne nervige Diskussionen- weitermachen…

Zeitraubend- aber nicht uninteressant- sind solche Gespräche die sich um die juristischen Aspekte meines tuns drehen. Sowas kommt nicht häufig vor, aber doch hier und da wird man mal gefragt “Wie issn des…?”

Am anstrengendsten sind allerdings solche, die ein Gespräch mit den Worten anfangen “Ich bin auch Fotograf!” Meistens- also in 99 von 100 Fällen- kommt dann noch ein “ääääh” dahinter und der Zusatz “… also ich hab auch ne Spiegelreflex!”

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus das ECHTE gelernte Fotografen sowas nicht nötig haben! Also hausieren zu gehen mit dem, was sie beruflich machen. Ein solcher hatte mich mal vor Jahren, zu seligen kommweichei.com-Zeiten, angelabert das wir die Preise kaputtmachen würden und was wir uns dabei denken würden usw. (bevor jemand fragt- ich hab weder eine Ahnung wer das war noch wie der aussah).

Ich kenne mittlerweile selber einige gelernte Fotografen und weiß: DIE schauen meistens mit Kennerblick zu, denken sich ihren Teil und schmunzeln vielleicht in sich hinein über den armen Tropf, der sich da auf der Party zum Affen macht mit seiner “Billigausrüstung”.

Aber sie tippen dir nicht auf die Schulter und quatschen dich an- es sei denn, du tust ihnen wirklich extrem leid…

Aber- zurück zu solchen “Ich bin auch Fotograf!”- Gestalten.

Leute- ehrlich- lasst es einfach!

Wenn ihr zuhause ne DSLR rumliegen habt, müsst ihr uns nicht darüber aufklären!

Schön wenn ihr eine habt, aber- und die frage sollte gestellt werden dürfen:
WARUM MACHT IHR DANN NICHTS DAMIT? Einer von uns beiden hat ne Canon EOS 5D Mark III zuhause rumliegen… Super! Toll das du das Teil zuhause rumliegen hast! WARUM hast du’s zuhause rumliegen? Kannst du damit umgehen? Quatsch mich nicht voll warum deine Bilder alle Scheiße aussehen, geh nach Hause und befass‘ dich mit deiner Kamera! RTFM* soll helfen!

*RTFM = Read The Fucking Manual

Dann sind solche Leute meistens auch noch so penetrant und wollen wissen welches Glas (= Objektiv) ich verwende. Daraus resultiert dann in den meisten fällen eine relativ anstregende Unterhaltung, das mein gegenüber zuhause ein 50mm/f1.4 hat und ich soll doch lieber so eins nehmen. Weil- das wäre doch viiieeeel besser in einer Location wie dieser. Da bräuchte man keinen Blitz mehr und überhaupt- warum ich ein solches 24-70mm Zoom verwenden würde? Bräuchte man doch garnicht, blablabla…

Sogenannte “Linsengespräche” (wie ich sie nenne) führe ich lieber mit Leuten die ich kenne oder die, wie ich selber, Abends in den Clubs unterwegs sind und Leute fotografieren.

Ich will nicht behaupten, das ich die Weisheit löffelweise gefressen hätte!!! Alles andere! Ich lerne jedesmal dazu wenn ich unterwegs bin und fotografiere.

Aber, ich tue das seit 2003 (meine OLYMPUS Camedia C-1400L kaufte ich mir 1998) und glaube- Kraft der mir eigenen Arroganz und maßloser Selbstüberschätzung- ein bißchen was weiß ich mittlerweile auch schon selber.

Sollte der geneigte Leser beim studieren dieser Zeilen den Eindruck gewonnen haben das ich meine Tätigkeit nicht lieben würde… ich tue es!

Und ich bin wirklich zutiefst dankbar das ich jedes Wochenende aufs neue, mit meiner Kamera bewaffnet losziehen darf, um solche tollen Leute zu knipsen wie die, die das hier jetzt gelesen haben…

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