20 Jahre Nine-Eleven

Wo ich am 11.09.2001 war?

Es waren die letzten Stunden meiner aktiven Zeit als Zeitsoldat der Bundeswehr!
Ich arbeitete vormittags in meiner Einheit in München zügig meinen Laufzettel ab, verabschiedete mich von allen und wurde auch verabschiedet- ich trat vor die Kaserne und rief mir ein Taxi zum Bahnhof. Dort stieg ich in den ICE in Richtung Würzburg.

Und im ICE hatte ich eine Begegnung, die mir bis heute zu denken gibt:
Als ich mir einen Platz suchte, fiel mir ein sehr imposanter Schwarzer auf. Eine unglaubliche Erscheinung. Er trug einen- ich denke man nennt es so- Kaftan! Einen dunkelblauen Kaftan mit goldfarbenen Verzierungen. Er sah großartig aus! Erhaben und majestätisch will ich es fast nennen. Er passte eigentlich gar nicht in dieses „bürgerliche Vehikel“.
Ich fand einen Platz und kramte die Zeitschrift heraus, die ich mir vorher gekauft hatte… er saß über den Gang neben mir, sah was ich las (irgendeine Autozeitschrift) und wir kamen ein bißchen ins Gespräch. Es stellte sich heraus: Er kaufte Autos auf und schickte sie dann per Schiff nach Afrika. Irgendwann schlief ich- als grundsätzlich großer Schläfer in Verkehrsmitteln- ein.

Ich erwachte, als hinter mir jemand gegen meinen Sitz stieß und lachte und sich freute! Mein gutaussehender Gesprächspartner war verschwunden- und saß nun hinter mir und freute sich wie ein Schneekönig…

Ich hatte- und habe natürlich bis heute- keine Ahnung, worüber er sich so freute! 
Aber es gibt einfach dieser tollen Begegnung einen gewissen bitteren Beigeschmack. Ich habe ihn auch nicht gefragt worüber er sich so freute- selbst wenn ich es getan hätte, hätte er es mir gesagt?
Ich glaube, in Nürnberg stieg er aus. Er verabschiedete sich von mir und schritt würdevoll, zusammen mit den ganzen „Sterblichen“ (so kam es mir vor) um ihn herum, in Richtung Ausgang.

Der Rest der Fahrt verlief ohne weitere Zwischenfälle. Am Bahnhof Aschaffenburg stieg ich aus und leistete mir erneut ein Taxi. Diesmal nach Hause.
Ich wohne in einem Mehrgenerationenhaus- also wohnen auch meine Eltern im selben Haus. Ich ging also zu meinen Eltern in die Wohnung und fand beide gebannt vor dem Fernseher- und sah da die ersten Bilder der Geschehnisse in New York! Genauer war es wirklich eines der Flugzeuge, die in einen der Türme raste…

Mein erster Gedanke war tatsächlich:

„Ist das ein Film? Ein Trailer zu nem neuen Film? Wer dreht denn so einen Mist?“

Ich dachte da gar nicht mehr an meinen „Freund“ aus dem Zug. Erst Wochen oder sogar Monate später, kam er mir wieder in Sinn… und wie er sich gefreut hatte.

Um es nochmal zu betonen: Ich behaupte NICHT, das er sich wegen der Anschläge so gefreut hatte!!!
Ich weiß nicht, warum er sich so gefreut hatte. Aber- wie schon gesagt- alleine der Verdacht, dass es so sein könnte, gibt dieser denkwürdigen Begegnung doch einen sehr bitteren Beigeschmack.

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