Über Mobbing

Oder: Arschlochkinder gibt es wohl!

Vor einiger Zeit diskutierte ich das mal auf Facebook mit jemandem, der der Meinung war, es gäbe keine „Arschlochkinder“! Wie gesagt- es ist schon einige Zeit her und ich weiß jetzt auch nicht mehr, wie mein gegenüber auf die Frage reagierte, ob er denn gemobbt wurde in der Schule.

Ist ja auch egal.
Jedenfalls:

Ich wurde gemobbt. Punkt.

Ich war alles andere als ein „herausragender Schüler“!
In Mathe z.B. hatte ich anscheinend irgendwann mal ein Abo auf ne „FÜNF“ unterschrieben – und kam aus dem Vertrag nicht raus! Wenn mir heute z.B. jemand mit dem Spruch „Is doch’n ganz normaler Dreisatz!“ kommt, könnte ich spontan um mich schlagen! Und auch sonst lungerte ich unmotiviert irgendwo im Mittelfeld herum und kam halt so durch.

Das war aber gar nicht so das Problem.

In den Pausen stand ich meistens in irgendeiner Ecke und gab mir Mühe, nicht aufzufallen.
Ich war ein ruhiges Kind. Introvertiert. Und damit anscheinend für meine Klassenkameraden höchst suspekt. Ich denke, das war das Problem.

Während meine Altersgenossen ihre Zeit damit verbrachten, einem Ball (sinnfrei) hinterherzuhecheln, fuhr ich mindestens einmal im Monat in die Stadtbücherei und holte mir Bücher- die ich verschlang!
„Wolfsblut“ von Jack London,
„Aug‘ in Aug‘ mit 1000 Tieren“ von John Hagenbeck,
„Unterwegs nach Atlantis“ von Johanna von Koczian,
„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende,
„Das Geheimnis der Titanic“ von Robert Ballard
und unmengen andere – und natürlich Comics.
Außerdem war Lego mein ein und alles. Und Fernsehen. Und im Nachhinein muss ich sagen, dass es ein Glück war, das meine Eltern damals keinen Kabelanschluss hatten. Denn da gabs MTV… und die Videos von damals liebe ich heute noch! MTV wäre sicherlich 24/7 gelaufen!

Okay- wo waren wir?
Also: Mobbing.
Es gab einige richtig penetrante Jungs. Einige waren bei mir in der Klasse. Die meisten waren allerdings in der Parallelklasse. Sie machten sich einmal einen Spaß daraus, meine Digitaluhr im Werkraum in einen Schraubstock einzuspannen- und zuzudrehen!
Einer davon hat sich allerdings richtig bei mir „eingebrannt“: Ich werde seinen Namen nicht nennen- aber vor einiger Zeit las ich seinen Namen tatsächlich auf Facebook! Spott, Lästereien, Schläge und Tritte verbinde ich mit seinem Namen. Er wird sich dessen nicht bewusst sein. Warum auch? Weil „Is doch schon ne Ewigkeit her!“ und „Wir waren doch Kinder!“ und „War doch nur Spaß!“
Ja sicher war das „nur Spaß“- für ihn.
Ich bin mir sehr sicher, dass er sich dessen nicht bewusst ist.
Genauso wie den anderen… wie z.B. dem einen, der mal in einer Gesprächsrunde bei der Ministranten-Gruppe, in der ich damals war, folgendes absonderte: „Wenn bei uns in der Klasse einer der schwächere ist, wird er niedergemacht. Das ist wie in der freien Wildbahn. Der schwache wird gefressen. Ganz einfach.“

„Ein einziger Grundsatz wird dir Mut geben,
nämlich der, dass kein Übel ewig währt.“

(Epikur von Samos, ca. 341 v. Chr. – 271 oder 270 v. Chr., griech. Philosoph,
Begründer des Epikureismus und der epikureischen Schule)

Ich überlege, ob ich ihm schreiben soll. Aber- was würde das schon bringen? Nach so langer Zeit.
Andererseits wäre es schon eine Art „Therapie“ für mich und ein weiterer „Dämon“ weniger von den vielen, die wir alle irgendwo in uns tragen. Er müsste mir ja nicht mal antworten- ich würde zumindest nicht damit rechnen!

Das seltsame ist- und das gibt mir tatsächlich immer wieder aufs Neue zu denken:
Die, die damals gemobbt haben- die Täter (nennen wir sie ruhig so)- die „ach-so-coolen“… HEUTE sehe ich von denen nur noch sehr, sehr wenige bzw. ich muss aktiv nach ihnen suchen (wenn mir ihre Namen einfallen). Oder ich treffe zufällig mal auf einen… wie vor ein paar Jahren eine andere Gestalt von damals, in einem Getränkemarkt.
Einen der (damals) sicherlich berüchtigsten in „meiner Hood“. Er war nicht mal in meiner Parallelklasse sondern einen Jahrgang über mir. Aber er war damals mit einer übergroßen Menge Selbstvertrauen und Testosteron „gesegnet“- und ich wechselte die Straßenseite wenn er auftauchte!

Aber- gerade beim Schreiben merke ich, das wir damals doch etwas gemeinsam hatten:

Wir waren uns damals gegenseitig suspekt

– und natürlich wollte keiner auf den anderen zugehen!
Das wäre ja wieder ein Zeichen von Schwäche gewesen- und der Schwache wird ja gefressen…

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