Sechs Monate Quincy Schultz

(Als Vorwort möchte ich hier nochmal betonen, das ich hier meine eigene, persönliche Meinung niederschreibe)

Nicht erst seit gestern stelle ich bei mir ein wirklich tiefsitzendes und generelles Mißtrauen gegenüber allem fest, was von allen Seiten hochgelobt wird. Seien es Menschen (z.B. gab es mal einen, der später wg. Hehlerei verknackt wurde) oder Marken (Apple z.B. wurde mir gegenüber schon zu oft als DER Rechner überhaupt angepriesen und ich MÜSSTE doch gerade als Grafiker und Fotograf UNBEDINGT mit Apple arbeiten) oder anderen Dingen.

Nennen wir es beim Namen: Hype.

Ich mag keine Hypes!

Egal für wen oder was! Den Typen z.B. mochte ich noch nie so wirklich und Apple hat für mich einfach keinerlei nennenswerten Vorteil (und ja- ich habe schon mit Apple gearbeitet!).
Und in 90% aller Fälle hatte mein Bauchgefühl bisher recht.
Beispiel: Sony! Ich fotografierte erst mit Minolta, dann Konicaminolta (KoMi). Und als KoMi seine Kamerasparte an Sony vertickte, stieg ich natürlich auch auf Sony um.
Und alle wollten mir erzählen „Wääääh- is doch Scheiße!“… Egal.

Seit ende Dezember 2016 gibt es einen Club in Aschaffenburg. Ein Club, um dessen Namen vorher schon ein ungeheures (aus meiner Sicht unnötiges) Geheimnis gemacht wurde! Am ende waren es eigentlich nur die Anfangsbuchstaben der Namen der Betreiber und- so hatte ich gedacht(!)- aus irgendeinem Telefonbuch holte man sich die restlichen Buchstaben dazu. Mittlerweile bin ich schlauer und weiß, das es ein Wochen- und Monatelanges Gezerre gewesen sein muss, mit Mindmaps und einer Agentur und mehrerer möglicher Kandidaten usw. bis dann endlich mal der Name in Stein gemeisselt werden konnte.
Voilà, seht her und staunt: Quincy Schultz – das (vorläufige) Endergebnis der jahrzehntelangen, wirklich exzellenten Vorarbeit von Task-Squad Events im Aschaffenburger Nachtleben – war geboren!

Das QUINCY SCHULTZ.

Task-Squad Events kannte man vorher durch die wirklich eigentlich durchweg famosen Partys, die die Jungs schmissen. Gerne erinnere ich mich an z.B. an die wirklich schöne Silvesterparty in der VIP-Lounge an der F.A.N.-Arena. Oder an zahllose „Ice-Cream“ Partys im Goya. Geradezu legendär sind mittlerweile die „Large Fusion“ Partys mit Waterproof, Stammsängerin und Energiebündel Mickey und natürlich den wechselnden Gastsängern wie z.B. Charles Simmons, Tiffany Kirkland, Faiz Mangat oder Worthy Davis, die im Club Anna stattfanden und die eigentlich immer rappelvoll waren!
Ein eigener Club war da irgendwie nur die logische Konsequenz. Natürlich.

Vom Gegner zum Fan

Vor einigen Jahren hätte ich mich ja noch als erklärten KOMMZ-Gegner (findet seit 1975 im Nilkheimer Park statt und ist eines der größten und das zweitälteste Non-Profit-Festival Deutschlands) bezeichnet. Mittlerweile habe ich meine Meinung revidiert und würde mich sogar als erklärten Fan bezeichnen!

„Wie kommt der jetzt vom Quincy aufs KOMMZ?“ Ich komme jetzt dazu! Geduld.
Ich habe gegenüber mehrerer Leuten geäußert, das ich meine Probleme mit dem Laden – mit dem Quincy Schultz – habe!

Als da wären z.B. der aufgeschnittene Überseecontainer vor den Toiletten. Nach einem langen- und längst überfälligen- Gespräch mit dem Betreiber, denke ich zwar immer noch, das man das auch anders hätte lösen können, aber ich verstehe zumindest warum da zwingend eine Wand hin musste! Sonst hätte man nämlich jederzeit direkt in die Toiletten sehen können. Warum das jetzt unbedingt ein Überseecontainer sein „musste“… nun, das ist einfach Teil des Gestaltungskonzepts. Man wollte ein möglichst urbanes Design. Dem trägt auch die „U-Bahnatmosphäre“ im hinteren Teil des Clubs Rechnung, mit z.B. original ausrangierten Plastiksitzen der Aschaffenburger Stadtwerke und anderer zahlloser liebevoller Details.

Die (geografische) Lage

Also- ich korrigiere mich: Ich habe weniger Probleme mit dem Club- ich habe meine Probleme mit der Lage!
Aber ich verstehe natürlich auch die Jungs, warum sie diese Lage gewählt haben.

Vorteile:

  • Hauptbahnhof kennt jeder Taxifahrer.
  • Die Busse fahren letztenendes immer zum Hauptbahnhof.
  • Wenn man weiter weg wohnt, kann man mit dem Zug anreisen und hinlaufen.
  • Ein (sauteueres- aber das ist ein anderes Thema) Parkhaus ist auch genau gegenüber.

Man kommt also schnell hin und- wenn man das möchte- auch schnell wieder weg.
Außerdem ist das Quincy auch noch in einer überdachten Passage (die alt-ehrwürdige Ludwigs-Passage)! Das heißt, wenn es regnet/schneit/kalt ist oder stürmt, muss man nicht draußen anstehen, sondern tut das zumindest im trockenen!

Nachteile:

  • Mit einem Wort und um es kurz zu machen; Gesindel. Ich präzisiere: JUNGES Gesindel.
    Milchbärte mit massivem Testosteron-Überschuss und Backfische mit Östrogenstau. Beide Fraktionen wissen nicht, wohin mit ihrer Energie. Und zumindest Testosteron & Langweile = Ganz blöde Mischung! Richtig Blöd!

Vor dem Club liegt das „KEOPS“. Eine Shisha-Lounge. Schon seit Jahren in der Ludwigs-Passage gelegen und bestens besucht von Aschaffenburgs Shisha-Aficionados.
Die Tür im Quincy macht aber einen tollen Job und versucht die „Verhaltensauffälligen“ auszusortieren. Ich habe drin auch noch nie irgendwelche Probleme gehabt! Wohl aber am Eingang der Passage.

Da kam mal einer der oben erwähnten Milchbärte, [ironie:on] weltoffen, gebildet und eloquent [ironie:off] wie er so war- auf mich zu und quatschte mich voll „ÄY! AUFPASSEN! AUFPASSEN!“ Ich ging ganz normal, torkelte nicht mehr als sonst auch und machte überhaupt keine Anstalten irgendjemanden umzurennen. Jedenfalls meinte er, das er jetzt unbedingt und sehr subtil sein bewußtsein meinem bewußtsein aufdrängen müsste…

Jedenfalls- nicht erst seitdem- finde ich den Weg(!) zu dem Club etwas… na… bezeichnen wir es mal als „gruselig“. Also wirklich die 100m – 200m vom Parkhaus durch die Passage durch, an den aromatischen Rauchschwaden des KEOPS vorbei, zur Tür des Quincy Schultz. Das mag allerdings auch daran liegen, das ich mich am Bahnhof noch nie so richtig wohl gefühlt habe.

Um mich richtig zu verstehen- das, was ich als Gesindel bezeichne, ist eher draußen auf der Straße.
Weniger im KEOPS und auch nicht im QUINCY SCHULTZ!

Den Club selber… nun… (wie gesagt, Mißtrauen usw.) die Jungs machen bisher einen, wie nicht anders zu erwarten, tollen Job! Sie holen die richtigen DJs, buchen die richtigen Acts und man sieht da einfach die über 10 Jahre Partyerfahrung aus Task-Squad Zeiten in verschiedenen Locations. Die Jungs kennen einfach ihr Publikum und wissen was da gewollt ist. Ausreisser in die House und Trance-Ecke kommen (meines Wissens!) eher seltener vor (wie bei der „Unten am Fluss Afterhour“) vor ein paar Tagen. Task-Squad Events waren schon immer eher für erstklassige Rap & HipHop Partys bekannt. Vor ein paar Monaten wurde der Superbowl live übertragen- unter Anwesenheit von fachkundigem Publikum (Aschaffenburg Stallions). Es finden Abende mit Südamerikanischer Musik und sogar Yoga Kurse statt. Man bemüht sich, sein Publikum umfangreich zu bespaßen!

Eine der fragen, die mir öfter gestellt werden, lautet…

„Und wie ist das Publikum?“

Ehrlich gesagt, nervt mich diese frage immer, weil ich mir denke „Wenn du das wissen willst, geh selber hin und mach dir selbst ein Bild!“
Aber gut. Also, Leute; Das Publikum ist jung! Zum Teil sehr jung! Aber das sollte wohl auch die Zielgruppe sein!
Das Quincy Schultz ist somit definitiv kein zweites Tanzparadies und will es wohl auch nicht sein! Leute von ca. 20 bis max. mitte 30 können sich da drin (meistens) sehr wohl fühlen. Kritische Stimmen kommen jetzt, nach einem halben Jahr natürlich schon auf. Da wird z.B. die strenge Tür genannt. Aber das muss so sein, finde ich, als jemand der nicht zum feiern die Clubs frequentiert sondern dafür, um zu zeigen, wie da drin gefeiert wird. Und das wird es!

Mein persönliches Fazit:

Um es vorweg zu sagen – in Aschaffenburg gibt es keinen(!) Club, den ich in den Himmel lobe! Egal ob Club Anna, 8750 Disco, The Sedgwick, Disco One (spielt aktuell sowieso keine Rolle wg. Brandschaden), Tanzparadies, Büttvino, Colos-Saal etc.
So werde ich es auch mit dem Quincy Schultz halten! Aber ich denke, man kann nach sechs Monaten Clubbetrieb sagen, dass das Konzept der Burschen bisher aufgeht. Es werden coole und schöne Partys veranstaltet, die nicht die Show in den Mittelpunkt stellen (wie z.B. die tollen und fulminanten „alles 90er“ Shows im The Sedgwick) sondern eher die Musik. Punkt.
Es kommen die richtigen DJs und Acts und was man so hört, fragen einige der Acts auch gezielt an, wann sie wieder auflegen können. Das Innenraum-Design mit seiner Mischung aus gebrauchten, ausrangierten und umfunktionierten Gegenständen (Überseecontainer als Toiletten-Sichtschutz) oder offener unverkleideter Betonpfeiler machen das Volk an. Viele kleine liebevolle Details. Ich finde, in Aschaffenburg gibt es momentan nichts vergleichbares.
Wer außerdem auf Black Music, Rap und HipHop steht, wird hier nicht enttäuscht werden.

Bilder?

Klar! Einige!

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