Fridays for Future

Oder Greta Thunberg
und der zivile Ungehorsam.

„Das hats damals bei uns nicht gegeben!“
Ich sage das öfter nur im Scherz- aber natürlich ist es mittlerweile wirklich so! Viele Dinge gabs damals einfach nicht- oder es war uns nicht bewußt.

Klimaziele? Es gab damals, in den 70ern, die berühmten „Autofreien Sonntage“ wo Familien mit Fahrrädern auf Autofreien Autobahnen ihre Sonntagsausflüge machen konnten- eben weil wegen der damaligen Ölkrise der Autoverkehr eingeschränkt wurde und nur noch mit Sondergenehmigungen erlaubt war.

Greta Thunberg war damals- zur Zeit der Ölkrise 1973- noch nicht mal ein lüsternes funkeln in den Augen ihres Vaters (der schwedische Schauspieler, Produzent und Autor Svante Thunberg ist Baujahr 1969).
Aber- er sollte stolz auf sein Töchterchen sein!

Am 20. August 2018 (so steht es geschrieben) postierte sich die damals erst 15jährige Greta Thunberg mutterseelenallein(!) mit einem Schild mit der Aufschrift „Skolstrejk för klimatet“ („Schulstreik für das Klima“) vor dem Schwedischen Reichstag in Stockholm. Alleine dafür sollte man ihr Respekt und Anerkennung zollen. Wer sonst hätte denn so einen Arsch in der Hose?! Vorallem mit 15! Das tat sie dann auch nicht nur einmal- sondern über mehrere Tage hintereinander. Das Ergebnis ist mittlerweile ein Europaweites Phänomen!
Schüler schwänzen jeden Freitag unter dem Motto „Friday for Future“ die Schule, um für den Klimaschutz zu demonstrieren. „Aber Kind! Was soll denn aus dir werden?“ Nun- wie man sieht, könnte daraus ein Friedensnobelpreisträger werden!
Greta Thunberg hat mit ihrer Beharrlichkeit ein Zeichen gesetzt. Nichts weniger.
Schule schwänzen? Just for fun? Absolutes No-Go!
Geht ein sicherlich zweistelliger Prozentsatz der Schüler da nur deswegen mit? Bestimmt! Bin ich mir sicher.

ABER: Und das ist so sicher wie das Amen in der Kirche- diese Kids rütteln uns auf! Sie rütteln uns auf und zwingen uns dazu, nachzudenken. Wir reden über diese Aktionen! Deswegen sind diese Demos wichtig und richtig. Und deswegen können- oder besser- dürfen, diese Demos auch nicht in den Ferien oder an den Wochenenden, oder nach der Schule stattfinden. Weil der Aufschrei dann nicht mal halb so laut und die Diskussionen darüber nicht halb so emotional geführt werden würden.

Und das ist die stärke dieser Aktionen. Man wird auch nichts dagegen unternehmen! Wasserwerfer und Schlagstöcke  gegen minderjährige? Da wär was los! Nein: Die Menschen werden ja schon jetzt emotional berührt. „Die wollen doch alle nur die Schule schwänzen!“, „Was soll denn aus denen werden! Die lernen ja nix mehr!“, „Die sollen doch mal unsere Rente bezahlen!“ etc.
Und wenn schon! Greta Thunberg hat etwas geschafft , was vorher- in all den Jahrzehnten der frucht- und endlosen  Diskussionen über Umweltschutz niemand so wirklich hingekriegt hat- wir werden wirklich in der breiten Masse auf der emotionalen Ebene berührt- quatsch: Wir werden getroffen! Wahrscheinlich wirklich die letzte Ebene, die uns noch bewegt. Unsere Kinder schwänzen die Schule und gehen wegen unserer Versäumnisse und Fehler auf die Straße! Nix mehr mit „Nach uns die Sintflut!“
Thunberg führt mit ihrer Aktion die Massen ihrer Altersgenossen auf die Straßen- und gleichzeitig die sog. Erwachsenen auf die Barrikaden. Etwas, was in dieser Form, wohl noch nie der Fall war.
Kids die jetzt da mit dabei sind sollten sich ihre Schulverweise, sollten sie deswegen einen kassieren, einrahmen! Zumindest aufheben. Zivilen Ungehorsam, sofern er nicht mit Molotowcocktails, vermummten Gestalten, brennenden Autos, zerbrochenen Schaufensterscheiben oder fliegenden Pflastersteinen durchgeführt wird, finde ich, kann man  gutheißen!

Danke an Sunny für das Korrekturlesen.